Begriffe

Hochsensibilität und Hochsensitivität

Die beiden Begriffe Hochsensibilität und Hochsensitivität sind sprachlich beide korrekt. Die Bedeutung von sensitivity und sensibility sind in der englischen Sprache identisch. Daher können beide Bezeichnungen hier benutzt werden. In der Literatur von Elaine Aron wird der Begriff „ High sensitiv Person“ von ihr verwendet. Im Austausch mit anderen Hochsensiblen und in den allermeisten Situationen verwende ich persönlich den Ausdruck Hochsensibilität. Die Bezeichnung Hochsensitivität empfinde ich in solchen Situationen als geeigneter, um das Thema zu benennen, wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die bisher noch nichts darüber hörten und keinerlei Kenntnisse darüber haben. Meiner persönlichen Erfahrung nach ergeben sich, wenn ich jemandem, der noch nie davon gehört hatte, bei der Verwendung dieser Bezeichnung nicht solche inhaltlichen Missverständnisse über das, was es wirklich bedeutet. Es kann ein eindeutigeres Bild entstehen dadurch meiner Ansicht nach. Daher rate ich oft dazu, den Begriff Hochsensitivität dann zu benutzen, wenn man jemanden, der noch nichts über das Thema weiß, zum ersten Mal informieren möchte.

Viele Hochsensible und auch ich selbst konnten in manchen Situationen erleben, dass es in der Gesellschaft eine negative Bewertung des Wortes Hochsensibilität gibt. Der Begriff wird oft falsch interpretiert und es ergeben sich häufig Missverständnisse hinsichtlich der Bedeutung. Dies kann die Kommunikation über das Thema mit Normalsensiblen erschweren. Das was häufig verstanden wird, ist nicht das, was Hochsensibilität im Ganzen in all seinen Facetten wirklich bedeutet. Hochsensibilität wirkt vom Begriff her für Normalsensible oft negativ emotional und oft nur emotional. Das Wort Hochsensitivität dagegen hat beim Austausch über das Thema eher eine positivere und weniger emotionale Wirkung, was erleichternd ist, wenn man darüber sprechen möchte. Bei dem Begriff Hochsensitivität wird im Gegensatz zum Begriff Hochsensibilität nicht an Leiden der Betroffenen gedacht, was dann auch schnell fälschlicher Weise als Krankheit interpretiert wird, was es keinesfalls ist. Es ist eine persönliche Veranlagung und Eigenschaft eines Menschen. Hierbei werden lediglich mehr Informationen verarbeitet als bei Normalsensiblen, da Hochsensible mit ihren Sinnen mehr und intensiver wahrnehmen. Sie sind aufgrund ihrer Wahrnehmung leichter reizüberflutet und in für sie anstrengenden Situationen schneller nervlich belastet, wenn sie sich nicht genügend zurückziehen und innerlich verarbeiten können.

Was Hochsensibilität ausmacht ist, dass die Wahrnehmung von Eindrücken sämtlicher Art intensiver und differenzierter ist, wobei es hierbei individuelle Unterschiede gibt hinsichtlich der Ausprägung. Zu diesen Eindrücken zählen Stimmungen, Gefühle, Geräusche, Gerüche, Temperaturen und auch Schmerzempfinden. Oft verstehen Hochsensible selbst nicht, warum sie wesentlich intensiver wahrnehmen als andere und somit mehr zu verarbeiten haben. Sie bemerken nur, dass sie so schnell oft erschöpft, kraftlos, überreizt oder gestresst sind und wundern sich, warum dies bei ihnen so ist. Das kann frustrierend und anstrengend für die hochsensible Person selbst sein, vor allem wenn sie versucht sich anzupassen und mitzuhalten, um nicht negativ aufzufallen. Dies führt schnell zur Überforderung und größerer Frustration. Es ist daher sehr wichtig und erleichternd zu wissen und zu verstehen, dass man als hochsensibler Mensch andere Bedürfnisse hat und dass es noch viele weitere Personen gibt, denen es ganz genauso geht und man damit nicht alleine ist, wie man gelegentlich annimmt.

Nach der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung hochsensibel. Hochsensibilität wird vererbt. Daher ist wahrscheinlich ein Elternteil oder jemand anderes aus Ihrer Familie auch ein hochsensibler Mensch.

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