Herausforderungen hinsichtlich Hochsensibilität meistern

Unverständnis

Die oft sehr intensiven Gefühle, Wahrnehmungen und Gedankengänge von Hochsensiblen können häufig nicht oder nur teilweise von Normalsensiblen nachvollzogen werden. Sich dies als hochsensibler Mensch bewusst zu machen, kann im gegenseitigen Miteinander helfen und Verletzungen oder Enttäuschungen, in denen man sich unverstanden fühlt, vermindern oder auch oft ganz vermeidbar machen. Im Gegensatz zu Hochsensiblen kennen normalsensible Menschen dies bei sich selbst nicht und können es daher nicht nachvollziehen. Daher ist es in den allermeisten Fällen sicherlich keine böse Absicht, wenn vermittelt wird, dass sie einen hochsensiblen Menschen in bestimmten Situationen überhaupt nicht verstehen können. Oft werden Tips gegeben, die für Hochsensible häufig gar nicht wirklich hilfreich sind. Dennoch sind sie als Hilfestellungen gedacht wie zum Beispiel, sich einfach nicht alles so zu Herzen oder zu persönlich zu nehmen oder sich weniger Gedanken zu machen. Dieser Tip kann Normalsensiblen helfen, aber für Hochsensible ist er nicht wirklich nützlich, da sie dies nicht so einfach umsetzen können. Ich bin der Ansicht und habe selbst die persönliche Erfahrung gemacht, dass beide Seiten voneinander lernen können in Beziehungen sofern Offenheit füreinander da ist. So kann zum Beispiel die Freude Hochsensibler an kleinen alltäglichen Dingen oder die Reflektiertheit und Tiefsinnigkeit von Hochsensiblen Normalsensible bereichern und inspirieren. Ein hochsensibler Mensch kann wiederum von normalsensiblen Menschen lernen aktiver zu werden statt nur in Gedanken und Gefühlswelt zu verbleiben. Wenn ein Hochsensibler noch wenig Wissen und Umgangsweisen mit seiner Hochsensibilität kennt, werden oft einige Aspekte der Hochsensibilität als belastend empfunden. Von der Umwelt fühlen sie sich gerade dann oft sehr unverstanden. In solchen Situationen entsteht manchmal der Wunsch so zu sein wie die meisten anderen, nur um einmal auch dazuzugehören. Jedoch ist es anstrengend, wenn versucht wird sich anzupassen, damit man genau so lebt oder „funktioniert“ wie Normalsensible. Dieser Versuch kostet unnötig Kraft und kann in vielen Situationen nicht wirklich funktionieren. Sobald ein hochsensibler Mensch aber damit beginnt, die Kenntnisse und Akzeptanz der eigenen Hochsensibilität in die Persönlichkeit zu integrieren, zu achten und selbst zu verstehen ist es im Laufe der Zeit möglich die eigenen hochsensiblen Merkmale als eine Bereicherung und Gabe zu sehen für sich selbst aber auch zum Wohle des persönlichen Umfelds

Ein Aspekt, der oft nicht verstanden und nachvollzogen werden kann von Normalsensiblen ist der, dass Hochsensiblen oft ganz plötzlich alles zu viel wird. Sie fühlen sich schnell erschöpft, überreizt und reizüberflutet, wenn sie in für sie zu anstrengende oder stressige Situationen geraten. Daher benötigen sie genügend Erholungs- und Ruhezeiten. Für Personen im nahen sozialen Umfeld ist dies oft nicht nachvollziehbar, da sie noch lange nicht müde oder überreizt sind. Für Hochsensible ist es nach der Arbeit oder bei Kindern nach Schulschluss oft nicht möglich direkt danach noch viel zu unternehmen. Sie suchen und brauchen dann eher erst einmal Ruhe und Zeit für sich selbst. Dies anderen, die es nicht verstehen, zu erklären, ist oft nicht leicht. Es ist jedoch sehr wichtig auf das Ruhebedürfnis zu achten, damit es einem psychisch und körperlich längerfristig gut geht. Der liebevolle und achtsame Umgang mit sich selbst ist wichtig hierbei zu erlernen. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass keine Dauer-Überreizung stattfindet, die dann eventuell bei ungenügenden Ruhephasen zu Dauerstress führen kann, was wiederum zu einem Burnout oder einer Depression führen kann. Wird auf ausreichende Erholungszeiten geachtet, kann dies vermieden werden in sehr vielen Fällen.

Hochsensible Menschen werden häufig nicht so angenommen, wie sie wirklich sind, da andere Normalsensible sie nicht wirklich verstehen können. In der Kriegs- und Nachkriegszeit gab es sozusagen keinen Platz für empfindsame Menschen, da es hier um das Überleben ging. Die Menschen wurden durch den Krieg diesbezüglich abgestumpft. Auf Hochsensible wurde keine Rücksicht genommen. Man redete ihnen ein, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung sei und wollte sie abhärten. Erwachsene, die aufgrund ihrer eigenen Verletzungen und Traumatisierungen emotional gepanzert sind, weil für ihre Empfindsamkeit kein Platz war, reagieren insbesondere auf empfindsame sensible Kinder verunsichert und auch oft aggressiv. Oft ist das soziale Umfeld nicht in der Lage, sensiblen feinfühligen Kindern Liebe und Schutz zu geben, damit es ihnen gut geht. Es ist keine böse Absicht, sondern eine Unfähigkeit vieler erwachsener Menschen. Daher ist es notwendig, auf sich selbst sehr gut zu achten und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, gerade wenn dies von anderen nicht genügend getan wurde. Zudem ist es sehr stärkend, Menschen zu finden, die genauso empfindsam sind und gegenseitiges Verständnis somit viel leichter aufzubauen ist.

Seelische Verletzlichkeit

Hochsensible haben im Gegensatz zu normalsensiblen Menschen eine höhere emotionale Verletzlichkeit. Gerade Verletzlichkeit lässt Menschen echt und authentisch wirken und ist eine wertvolle menschliche Eigenschaft. Wenn Menschen traumatische Erfahrungen im Leben gemacht haben, kommt es häufig zu seelischer Verhärtung und emotionaler Kälte. Kriege konnten Menschen nur durch seelische Verhärtung überleben und somit weiterhin sozusagen funktionieren. Insbesondere die Kriegs- und Nachkriegsgeneration ist durch die traumatisierenden Erlebnisse im menschlichen Miteinander emotional verhärtet. Auch andere belastende Traumatisierungen im Leben führen häufig zu diesem seelischen Mechanismus. Im Verhalten zeigt sich diese Reaktion beispielsweise in Sarkasmus, Arroganz oder Angst vor Nähe. Gefühlvolle und liebevolle Gesten oder Situationen im sozialen Umfeld werden dann nicht wirklich wahrgenommen oder es zeigt sich hierbei eine psychische Überforderung.

Gerade für hochsensible Menschen ist es ganz entscheidend, sich selbst zu spüren, um auf diese Weise den eigenen privaten und beruflichen Platz im Leben zu finden, um gute Entscheidungen zu treffen, der Intuition vertrauen zu können und die eigene Gesundheit und Belastbarkeit schützen zu können. Es gibt einige gute Methoden, um ein größeres Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln können Jedem helfen hier unterschiedliche Dinge, beispielsweise Meditation oder andere Entspannungsmethoden aber auch kreative Methoden wie Schreiben, Kunst oder Musik können hierbei hilfreich sein.

Die Entwicklung einer gesunden und wertvollen Verletzlichkeit wird von unserer Gesellschaft meistens nicht gefördert. Schwierig ist es vor allem dann, wenn Menschen mit einer offenen Verletzlichkeit und Sensibilität und Menschen, die emotional verhärtet sind, zusammen treffen. Seelisch verhärtete Menschen können oft kaum ertragen, wenn verletzliche Gefühle offen gezeigt und ausgedrückt werden. Es wird ihnen durch solch eine empfindsame Person gespiegelt, was sie ständig zu unterdrücken versuchen. In solchen Situationen kommt es leider dann manchmal dazu, dass ein hochsensibler Mensch zum Ziel für Aggressionen wird.

Für Hochsensible ist es wichtig, die eigene Verletzlichkeit wieder wahrnehmen und achten zu lernen, wenn sie sich vor den eigenen Gefühlen verschlossen haben. Für Normalsensible erscheint die Verletzlichkeit von Hochsensiblen häufig nicht nachvollziehbar. Es wird oft als übertrieben wahrgenommen, wenn ein sensibler Mensch zum Beispiel leicht zu weinen beginnt aus Rührung , Trauer oder Empathie. Viele Menschen können solche tiefen Gefühle nicht wirklich verstehen, da sie selbst sich kaum fühlen und nur in ganz wenigen Situationen zu solchen Emotionen überhaupt in der Lage sind.

Wichtig ist es für den hochsensiblen Menschen zu erkennen, dass Verletzlichkeit und tiefe intensive Emotionen etwas Wertvolles und ein Zeichen von wirklicher Lebendigkeit sind und authentisch machen.

Überreizung

Im Alltag besteht für Hochsensible eine weitere Herausforderung hinsichtlich reizüberflutender Situationen aufgrund ihrer sehr intensiven Wahrnehmung. Kommt es zu einer Reizüberflutung können bei Hochsensiblen, wenn sie sich nicht genügend zurück ziehen und somit vor weiteren Reizen schützen können, verhaltensauffällige Reaktionen durch diese Stresssituation entstehen. Sehr viele Hochsensible erleben beispielsweise eine extreme Geräuschempfindlichkeit, andere wiederum sind zusätzlich auch sehr lichtempfindlich oder auch nur lichtempfindlich. Viele empfinden eine leichte emotionale Übererregbarkeit sowohl bei positiven als auch bei negativen Anlässen. Sie verarbeiten im Vergleich zu Normalsensiblen Informationen und Reize sehr viel intensiver. Deshalb klingen Erlebnisse auch sehr lange in ihnen nach.

Gerade hochsensible Kinder aber auch Erwachsene reagieren in solchen Situationen manchmal aggressiv und wütend, da ihnen alles zu viel wird und sie aus der Situation raus möchten, was aber manchmal für sie nicht möglich ist. In solchen Momenten erleben Hochsensible häufig wenig Verständnis, da Normalsensible die Situation oft gar nicht reizüberflutend oder unangenehm ist wie beispielsweise bei anhaltendem Lärm, Menschenansammlungen oder emotionalen Situationen. Aufgrund ihrer anderen Wahrnehmung sind Normalsensible nicht in der Lage dies wirklich nachzuempfinden. Hochsensible werden daher dann leider manchmal abfällig als „Mimose“ benannt, was verunsichernd und verletzend auf sie wirken kann. Oft sind Hochsensible nicht in der Lage sich genügend zu schützen vor zu viel Reizen. Wichtig ist, dass sie ihr Rückzugsbedürfnis und eigene Grenzen erkennen und ernst nehmen, so dass sie es rechtzeitig schaffen können eine Überreizung zu vermeiden.

Arbeitswelt

Hochsensible besitzen einige wertvolle Fähigkeiten, die gerade für die Arbeitswelt förderlich und nützlich sein können. Sie denken viel über bestimmte Aspekte und Situationen nach und sind in ihrem Denken und Handeln sehr umsichtig und reflektiert. Es fällt ihnen daher leicht, auch komplexe Sachverhalte zu verstehen und sorgfältig zu analysieren. Dies ist in einigen Arbeitsbereichen eine notwendige Stärke und Fähigkeit, die sehr geschätzt wird. Sie sind durch ihr komplexes Denkvermögen fähig, vorausschauend zu handeln, indem sie alle Eventualitäten mit berücksichtigen. In vielen Situationen ist dies hilfreich. Durch ihre weitsichtige Art können sie gerade in schwierigen Situationen Risiken und Gefahren erkennen und können andere vor etwas warnen und vor negativen Erlebnissen bewahren. Zudem ist ihre oft sehr stark ausgeprägte Kreativität für viele Berufe von Vorteil. Der soziale Bereich ist aufgrund ihrer hohen Empathie für viele Hochsensible gut geeignet, sofern sie gelernt haben sich entsprechend und genügend abzugrenzen. Auch ausreichende Rückzugsmöglichkeiten und kurze Pausen sind für die Erholung und das effiziente Arbeiten für Hochsensible sehr wichtig. Wenn sie ihre Fähigkeiten kennen und sie angemessen einsetzen können sowie ihre Grenzen und Bedürfnisse ernst nehmen, sind sie beruflich sehr ausdauernd, zuverlässig, belastbar und können viel wertvolles im Arbeitsumfeld beitragen. Hinsichtlich Teamarbeit haben Hochsensible viele gute Eigenschaften. Beispielsweise erkennen sie schnell Spannungen im Team und können darauf oft lösungsorientiert und empathisch reagieren, sofern sie sich im Team sicher fühlen.

Es gibt Situationen in der Arbeitswelt, die für Hochsensible sehr schwierig sein können. Beispielsweise ist ein Großraumbüro oft ungünstig für Hochsensible aufgrund ihres sensiblen Nervensystems und der dadurch schnell entstehenden Reizüberflutung. Äußerer Druck ist für sie sehr ungünstig, da sie in solchen Situationen ihre Kompetenzen nicht sicher zeigen und ausüben können. Generell ist es in der Arbeitswelt vor allem entscheidend für Hochsensible, dass sie die Möglichkeit haben, sich immer mal kurz zurückziehen zu können in Ruhe um wieder in ihre Mitte und Kraft zu kommen. Insgesamt sind sie genauso belastbar wie Normalsensible, nur ein Rhythmus und kurze Pausen, die ihnen entsprechen, sind hierbei sehr wichtig.

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