Aktuelle Forschung zur Hochsensibilität

Erstmalig wurde das Thema Hochsensibilität wurde von der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron 1997 öffentlich gemacht. Sie hat sich mit Hochsensibilität wissenschaftlich auseinandergesetzt und Literatur diesbezüglich veröffentlicht. Der Begriff „Highly sensitive person“ ( auch HSP genannt ) – die Abkürzung wird auch in der deutschen Sprache verwendet – wurde von ihr geprägt. Sie konnte in ihrer Forschung zeigen, dass 15–20 Prozent der Menschen hochsensibel sind.
Es gibt mittlerweile schon einige wissenschaftliche Forschungen zu dem Thema, aber immer noch befindet sich die Forschung am Anfang. Der Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V. (IFHS) beschäftigt sich als wissenschaftlicher Verbund mit dem Thema. Dieser Verbund kümmert sich in Deutschland sowie in internationaler Kooperation um Informationssammlung, Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung forschender Wissenschaftler.

Frühere Forschungen haben sich bereits mit der sensitiven Wahrnehmung und Erreichung der sogenannten sensitiven Schmerzgrenze beschäftigt. Der russische Wissenschaftler Pawlow forschte diesbezüglich. Bekannt wurde er durch seine Arbeit mit Hunden durch die das Prinzip der klassischen Konditionierung deutlich aufgezeigt wurde. Ein Experiment, das entscheidend für das Thema Hochsensibilität war, bestand darin, dass er Versuchspersonen einem sehr lauten akustischen Reiz (Klang) aussetzte. Es sollte hierbei untersucht werden, ab wann die Schmerzgrenze diesbezüglich erreicht wird. Eine Gruppe der Versuchspersonen erreichte deutlich früher die Schmerzgrenze, wobei sie prozentual etwa 15 bis 20% der Gesamtgruppe ausmachte. Diese Forschungen zeigten, dass es eine kleine Gruppe gibt, die niedrigere sensorische Schwellen hat als die übrigen Menschen.

Im Laufe der letzten 20 Jahre wurden zum Thema Hochsensibilität immer mehr und im Vergleich zu damals methodisch bessere Studien durchgeführt. Im Mittelpunkt hierbei standen hauptsächlich Selbsteinschätzungen auf der Basis von Fragebögen.
Elaine Aron stellte in einer Studie 2005 fest, dass hochsensible Probanden signifikant emotionaler auf steigende Schwierigkeiten von Logikaufgaben reagierten und sich ihre selbst empfundene Stimmung dementsprechend stärker veränderte als die von Normalsensiblen.
Die Methode der Selbsteinschätzung auf Basis von Fragebögen war im Hinblick auf wissenschaftliche Gütekriterien forschungstheoretischen Kriterien nicht genügend. Physiologische Messverfahren rückten in den Mittelpunkt der Forschung zu diesem Thema. Beispielsweise wurde die sogenannte funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT – Bildgebendes Verfahren zum Erzeugen zwei- oder dreidimensionaler Bilder des Gehirns, welche Rückschlüsse auf die Aktivität bestimmter Areale zulassen) als Messverfahren verwendet, um die Aktivität von visuell und emotional beteiligten Gehirnarealen zu messen, während unterschiedliche Bilder den Personen gezeigt wurden.
Dabei konnte eindeutig gezeigt werden, dass hochsensible Probanden signifikant stärker auf Bildveränderungen und Reize reagierten als die Normalsensiblen (Jagiellowicz , 2011).
Weitere Untersuchungen nach dieser Methode konnten aufzeigen, dass Hochsensible emotionaler auf verschiedene Gefühlsausdrücke von Menschen reagierten, die auf Fotos gezeigt wurden. Diesbezüglich wurde die Stimulation von Gehirnregionen gemessen, die beispielsweise mit Empathie in Verbindung stehen.
Die bildgebenden Forschungsmethoden konnten beweisen, dass Hochsensibilität mit höheren Aktivitäten der Gehirnbereiche für beispielsweise die Aspekte Wahrnehmungsfähigkeit ( Awareness) und Empathie einhergeht.

Das Thema Hochsensibilität wurde im Bereich der Psychologie und Psychotherapie sehr lange ignoriert oder missverstanden. Mittlerweile findet es thematisch etwas mehr Beachtung. Die Tatsache, dass Hochsensible lediglich mehr und intensiver Reize aufnehmen und verarbeiten müssen, wurde im psychologischen und therapeutischen Bereich kaum berücksichtigt lange Zeit. Häufig werden therapeutisch nur die Folgen, die mit der hochsensiblen Wahrnehmung einhergehen, betrachtet wie beispielsweise das Gefühl, sich irgendwie anders zu fühlen oder die Angst. Auf die konkreten Ursachen wurde therapeutisch fast nie eingegangen, so dass sich die Personen weiterhin oft selbst nicht verstanden und auch nicht verstanden fühlten von ihren Mitmenschen. Mittlerweile ist das Bewusstsein für das Thema etwas angestiegen und findet nun etwas mehr Beachtung, jedoch immer noch nicht genügend.

Die bisherigen Forschungen konnten zeigen, dass die Gehirnfunktion bei Hochsensiblen genauso verläuft wie bei anderen Menschen. Doch sie unterscheidet sich in der wichtigen Tatsache, dass Hochsensible mehr wahrnehmen. Es werden mehr Reize aufgenommen. Der Thalamus, der sozusagen die Filterfunktion hat und Reize in unwichtig und wichtig filtert, lässt mehr Umweltreize in das Gehirn ein und diese müssen verarbeitet werden, was bedeutet, dass sich das Gehirn weiter ausbildet. Dies geschieht, sobald sich das Gehirn im Embryo zu entwickeln beginnt. Zur selben Zeit werden mehr Reize verarbeitet als bei Normalsensiblen. Zur Verarbeitung wird daher immer wieder genügend Zeit und Ruhe benötigt.

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