Hochsensible Kinder

Wenn Sie selbst hochsensibel sind, erinnern Sie sich eventuell noch an einige schöne aber auch vielleicht schwierige Situationen in ihrer Kindheit und wie sie sich als hochsensibles Kind gefühlt haben.

Falls Sie entsprechend verstanden, gefördert und in stressigen Situationen angemessen bei Bedarf beschützt oder beruhigt worden sind, haben Sie sicherlich gute Erinnerungen und lernten Ihre Fähigkeiten und Stärken schätzen und wahrzunehmen. Im anderen Fall spürten Sie vielleicht das Gefühl ganz anders als die andern zu sein, fühlten sich unverstanden und als Außenseiter oft , erlebten eventuell Beschimpfungen wie „ Weichei „ oder „ Mimose“ , die Sie traurig gemacht haben. Hochsensible Kinder versuchen oft den allgemeinen Erwartungen des sozialen Umfelds zu entsprechen, merken aber, dass es oft anstrengend ist oder dass sie gar nicht dabei mithalten können, obwohl sie es möchten und auch versuchen. Sie erleben die Welt differenzierter und zugleich intensiver als andere Kinder. Es müssen mehr Reize und Informationen geistig und seelisch von ihnen verarbeitet werden. Hochsensible Kinder benötigen häufig auch mehr Zeit und die Möglichkeit zum Rückzug. Die Vorstellungen von einigen Menschen vom hochsensiblen Kind muss oft korrigiert werden, denn nicht alle sind schüchtern, introvertiert oder ängstlich. Es gibt auch extrovertierte, offene und körperlich starke unter ihnen.

Hochsensibilität wird vererbt. Daher ist sehr wahrscheinlich mindestens ein Elternteil auch hochsensibel und im besten Fall ist dem Elternteil dies bereits bewusst, so dass das Kind verstanden, entsprechend gefördert und motiviert wird bei Schwierigkeiten. Das Thema Hochsensibilität ist jedoch noch nicht sehr lange bekannt und daher war es früher vielen Menschen gar nicht bewusst, dass sie hochsensibel sind und ihre Kinder es eventuell auch sind.

Wichtig ist hier noch einmal zu betonen, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist, sondern lediglich bedeutet, dass das hochsensible Nervensystem weniger filtert als bei Normalsensiblen und hierdurch mehr und intensiver in vielerlei Hinsicht wahrgenommen wird. Hochsensible Kinder haben ein reicheres Gefühlsleben und eine höhere Empfindsamkeit als normalsensible Kinder. Es wird dem Kind helfen, wenn die Hochsensibilität je nach Situation nicht zu sehr in den Mittelpunkt gestellt wird. Sehr entscheidend für eine positive Entwicklung ist es, dass das Kind sich in seiner Persönlichkeit geschätzt fühlt und darin gestärkt wird. Dies wird ihm helfen auch mit nicht leichten Situationen und mit Menschen, die es nicht verstehen, leichter und selbstbewusster zurecht zu kommen. Bei Bedarf kann ein offenes Gespräch mit Erziehern und Lehrern über die Hochsensibilität sinnvoll sein, da es zu einem besseren Verständnis für das Kind führen kann. Für ein hochsensibles Kind ist es jedoch andererseits auch wichtig zu lernen, in alltäglichen Situationen zurecht zu kommen, aber auch für sich einstehen kann, wenn es andere Bedürfnisse als andere Kinder hat und beispielsweise mehr Ruhe benötigt. Lernt ein Kind in der Familie, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden, wenn es sich in bestimmten Situationen zum Beispiel gestresst fühlt und spürt es, dass es angenommen wird, genauso wie es ist, ist dies eine sehr gute Voraussetzung für die Entwicklung einer starken glücklichen Persönlichkeit. Da etwa 15 Prozent der Menschen hochsensibel sind, wird das Kind sicherlich auch andere hochsensible Kinder in seinem Umfeld kennenlernen können. Wichtig ist für es zu wissen, dass es auch andere Kinder gibt, die so viel empfinden, sich manchmal genauso viele Sorgen machen und nachdenken wie es selbst und dass es völlig in Ordnung ist so zu sein.

Hier liste ich nun einige Merkmale auf, die dafür sprechen können, dass das Kind hochsensibel ist. Es sind lediglich Anhaltspunkte dafür.

  • Obwohl körperliche Ursachen fehlten, weinte das Kind oft als Säugling.
  • Körperliche Nähe ist dem Kind ( Hand halten, in den Arm nehmen ) von sehr vertrauten Personen (Eltern) sehr wichtig. Dies gibt ihm Sicherheit.
  • Wildes und lautes Spielen der anderen Kinder wird oft als stressig, anstrengend und unangenehm empfunden. Andere Kinder sind ihm oft zu kindisch oder zu temperamentvoll. Ruhigere Spiele und ruhigere Kinder werden von den meisten hochsensiblen Kindern eher gemocht.
  • Das Kind mag viele Dinge nicht, die die meisten anderen Kinder gerne machen und hinterfragt vieles. Es hat Schwierigkeiten einfach etwas zu tun, womit es nichts anfangen kann. Regeln werden von ihm sehr oft hinterfragt und es versteht nicht, warum andere diese Regeln einfach so hinnehmen ohne über den Sinn dahinter nachzudenken.
  • Das Kind besitzt eine überaus große Phantasie und Kreativität.
  • Nach großen Feiern und nach dem Zusammensein mit vielen Menschen kommt das Kind nicht leicht zur Ruhe und ist oft sehr aufgedreht danach. Es braucht lange, um wieder ruhiger zu werden.
  • Hunger, Kälte oder Hitze sind für das Kind schwer zu ertragen.
  • Das Kind verhält sich bei neuen fremden Situationen oft unsicher oder ängstlich.
  • Da es viel grübelt, sich sorgt oder nachdenkt, fällt es dem Kind schwer früh einzuschlafen. Es denkt häufig über Themen nach, die unüblich für die Kindheit sind. Für das Alter ungewöhnlich tiefgründige Fragen werden von dem Kind gestellt.
  • Spiele oder Filme, die mit Gewalt zu tun haben, mag es meist nicht. Zudem kann das Kind nicht verstehen, warum andere Kinder andere absichtlich hänseln oder verletzen.
  • Kleidung juckt oder kratzt leicht auf der Haut des Kindes, so dass es bestimmte Kleidung nicht tragen möchte.
  • Lärm stört häufig das Kind und laute Geräusche erschrecken es leicht.
  • Das Kind zieht sich zurück oder reagiert aggressiv, wenn stressige Situationen es überfordern oder es sich reizüberflutet fühlt.

Für ihre Eltern und für unsere Welt sind hochsensible Kinder ein Geschenk. Sie können einen wichtigen Beitrag dafür leisten, dass unsere Gesellschaft menschlicher wird. Um das zu leisten, brauchen sie Annahme, Rückhalt und Förderung, so dass sie sich so entfalten können, wie sie wirklich sind.

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