Introvertierte und extrovertierte Hochsensible

Es gibt sowohl introvertierte als auch extrovertierte hochsensible Menschen. Laut der Autorin Elaine Aron sind etwa 70 Prozent der Hochsensiblen introvertiert und 30 Prozent von ihnen extrovertiert.

Typische Kennzeichen der introvertierten Menschen sind beispielsweise, dass sie ihre Kraft und Energie eher durch ihre innere Welt, durch sich selbst und durch häufige Zurückgezogenheit bekommen. Im Gegensatz dazu ist es für die Energie von Extrovertierten charakteristisch, dass sie diese durch ihr Umfeld erhalten, durch andere Menschen und ihre Umwelt allgemein. Sie fühlen sich eher schlecht, wenn sie zu viel alleine oder zurückgezogen sind, dadurch verlieren sie häufig Kraft und Motivation. Introvertierte sind oft schüchtern und fühlen sich durch andere Menschen häufig ermüdet. Ihre Gefühle und Gedanken unterdrücken sie nach außen hin häufig. Extrovertierte dagegen sind meist gesellig, haben einige Bekannte und Freunde. Ihre Gefühle und Gedanken teilen sie mit anderen und behalten sie nicht nur für sich selbst. Bei Introvertierten stehen Ideen im Vordergrund, bei Extrovertierten steht die Handlung im Mittelpunkt des Lebens. Diese genannten Kennzeichen sind nur einige Aspekte, die Introvertierte von Extrovertierten unterscheiden. Es ist jedoch wichtig hierbei zu beachten, dass jeder Mensch anders ist und die Merkmale je nach Charakter unterschiedlich individuell zutreffen können.

Zudem gibt es noch eine kleine Gruppe von Hochsensiblen, die, da sie sowohl die introvertierten als auch extrovertierten Kennzeichen in sich tragen, zu keiner der genannten Gruppen gehören. Sie werden als HSS High Sensation Seeker bezeichnet. Bei ihnen wechseln extrem introvertierte und extrem extrovertierte Phasen immer wieder ab. Mal haben sie ein sehr stark ausgeprägtes Ruhebedürfnis und ziehen sich extrem von ihrer Umwelt zurück, dann wiederum sind sie auf der dringenden Suche nach äußeren Reizen und Anregungen und sind in diesen Zeiten häufig sehr viel unterwegs. Es ist unterschiedlich hierbei, wie lange die jeweilige Phase dauert. Es kann vorkommen, dass sie nur ein paar Stunden aber auch mal Jahre andauern kann. Dies ist abhängig vom individuellen Charakter der Person und der aktuellen Situation, in der sie sich gerade befindet. Für hochsensible HSS ist es oft nicht leicht die innere Balance zu finden, da sie sich manchmal hin und hergerissen fühlen zwischen Reizüberflutung und Suche nach Anreizen und Überforderung, die sie durch zu viele Anregungen leicht spüren. Es wechseln sich die Zeiten ab, in denen sie nur sehr wenige Reize vertragen und Zeiten, in denen sie sehr große Herausforderungen suchen.

Aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit verstehen sich HSS manchmal selbst nicht besonders gut und werden von anderen auch oft nicht leicht verstanden, da sie so unterschiedlich sein können in ihren Bedürfnissen. Ganz entscheidend ist es hierbei, dass sie sich selbst lernen in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen und diese wertschätzen zu lernen. Vor allem ist es wichtig, dass HSS erkennen, dass sie beide Seiten in sich tragen, da sie manchmal eine der Seiten versuchen zu verdrängen, weil sie dadurch selbst irritiert sind. Diese unterschiedlichen Merkmale in Balance zu bringen ist nicht ganz einfach, aber je besser sie sich selbst schätzen und kennenlernen und achtsam mit sich sind, kann dies gut gelingen.

„Sensation“ bedeutet hier „Reiz“ Dies muss nicht unbedingt eine riskante Situation bedeuten, sondern kann auch eine besondere Idee oder ein sehr starkes Gefühl oder eine neue Herausforderung im Leben sein. Typisch für HSS sind häufige Veränderungen im Leben, wie zum Beispiel einige Jobwechsel, Wohnungs- oder auch Ortswechsel.

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