Hochsensibilität als Stärke erkennen

Häufig sind Hochsensible sehr kritisch mit sich selbst , zweifeln oft an sich und das Selbstwertgefühl kann dadurch geschwächt werden. Es gibt Situationen, die hochsensiblen Menschen alles andere als leicht fallen, aber es gibt auch einiges, was sehr leicht fällt und anderen durchaus sehr schwer fallen würde. Daher finde ich es wichtig und motivierend, sich immer wieder bewusst zu machen, dass Hochsensible viele wertvolle Fähigkeiten und Stärken besitzen. Sie sind je nach Person unterschiedlich ausgeprägt, denn auch zwischen hochsensiblen Menschen bestehen individuelle Unterschiede aber auch einige charakteristische Gemeinsamkeiten. Sowohl für das private als auch berufliche Umfeld sind die Stärken von Hochsensiblen eine Bereicherung und daher möchte ich in diesem Artikel genauer darauf eingehen. Ich selbst habe früher auch oft Schwierigkeiten damit gehabt, mich auf meine Fähigkeiten zu konzentrieren und sie mir bewusst zu machen, gerade deswegen finde ich es so wichtig diese hier zu betonen.

Besondere Sinneswahrnehmung

Hinsichtlich der Sinneswahrnehmung haben Hochsensible wertvolle Fähigkeiten. Aufgrund ihrer intensiven Wahrnehmung bemerken sie einiges, was anderen niemals auffallen würde. Einige haben ein absolutes Gehör, was zum Beispiel gerade im musikalischen Bereich sehr von Vorteil ist. Sie hören auch leise Geräusche, die anderen verborgen bleiben, was oft von Nutzen sein kann, aber natürlich auch manchmal anstrengend ist .
Auch beispielsweise sehr feine Gerüche werden von vielen Hochsensiblen wahrgenommen, die andere überhaupt nicht bemerken würden . Dies kann in einigen Situationen vorteilhaft sein.

Intensive positive Gefühle erleben

Hochsensible fühlen intensiver auch in positiver Hinsicht . Die starke innere Freude, die sie beispielsweise beim Anblick eines schönen Bildes, beim Hören einer bestimmten Musik oder im Zusammensein mit einem für sie wichtigen Menschen erleben können, ist eine besondere positive Eigenschaft und Fähigkeit, die hochsensible Menschen charakterisiert. Freundschaft und Liebe wird sehr intensiv empfunden und kann aufgrund der starken Emotionen sehr viel innere Kraft geben, aber natürlich auch aufwühlend sein. Die Freude über kleine Dinge wie ein liebes Wort, die wärmenden Sonnenstrahlen, eine schöne Blume am Wegesrand oder eine Umarmung eines lieben Menschen kann Hochsensiblen sehr viel Lebensfreude geben und je achtsamer sie gelernt haben auf solche Dinge zu achten und sie zu schätzen desto mehr können sie es geniessen diese Fähigkeit zu besitzen.

Kreativität und Phantasie

Hochsensible besitzen sehr häufig eine hohe Kreativität und Phantasie . Je bewusster ihnen ihre kreative Fähigkeit ist und sie diese ausleben können desto mehr kann dies das Selbstbewusstsein stärken . Sowohl beruflich aber auch als Hobby kann die Kreativität gut genutzt werden, sei es im musikalischen, künstlerischen, schriftstellerischen oder einem anderen kreativen Bereich. Manchmal ist diese Seite verloren gegangen im Laufe der Zeit. Dann ist es sinnvoll, sich daran zurück zu erinnern, welche kreativen Dinge man als Kind gerne gemacht hatte. Diese Fähigkeiten sind immer noch in uns vorhanden und können wieder zum Vorschein gebracht werden.

Gute Zuhörfähigkeit

Charakteristisch für hochsensible Menschen ist es, dass sie sehr häufig wirklich gute aufmerksame Zuhörer sind. Da sie Reize und Informationen intensiver verarbeiten als Normalsensible fällt ihnen das Zuhören leicht und sie merken sich Details, die anderen entgehen würden. Indem sie aufmerksam zuhören, vermitteln sie dem Gegenüber ein gutes Gefühl von Interesse, ernstgenommen zu werden und von Wertschätzung, das manche Menschen nur ganz selten oder nie erfahren haben in ihrer Vergangenheit.
Auch einige Zeit später erinnern sich Hochsensible an Details eines Gespräches oder an eine bestimmte Situation, die andere längst vergessen haben. Dieses Merken von Gesprächsdetails ist vor allem auch beruflich oft sehr von Vorteil aber auch in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Eine Schwierigkeit besteht jedoch hierbei darin, dass solches Zuhören natürlich auch verarbeitet und einsortiert werden muss innerlich. Daher dauert es oft lange bis Hochsensible nach intensiven oder mehreren Gesprächen wieder innerlich zur Ruhe kommen und die innere Verarbeitung sozusagen abgeschlossen ist.
In diesem Zusammenhang  fällt mir immer wieder auf, dass Hochsensible Energie und Kraft durch intensive tiefsinnige Gespräche bekommen, während anderen diese Gespräche schnell zu anstrengend werden. Dies unterscheidet oft Hochsensible von Normalsensiblen. Auch Smalltalk, der anderen Freude macht und leicht fällt, hat auf hochsensible Menschen meist eine ganz andere Wirkung. Smalltalk empfinden sie oft als schwierig und beherrschen ihn auch oft gar nicht gut, da er zu wenig in die Tiefe geht und an der Oberfläche bleibt.

Ich selbst habe schon sehr häufig erlebt sowohl privat als auch beruflich, dass Menschen mir sehr persönliche Dinge erzählen und mir sagten, dass sie sich darüber wundern, dies bei mir zu können. Sie begründeten es damit, dass ihnen sonst kaum jemand wirklich aufmerksam zuhört und sie nun plötzlich persönliche Dinge erzählen können, über die sie eventuell nie gesprochen haben. Ich empfinde diese Gabe als etwas sehr Wertvolles und freue mich, wenn ich jemandem damit helfen kann. Andererseits musste ich auch lernen mich in manchen Situationen abzugrenzen, wenn mich Gespräche zu sehr belasten oder mir Energie rauben. Hier zu differenzieren ist sehr wichtig für Hochsensible meiner Ansicht und Erfahrung nach.

Hinsichtlich des Zuhörenkönnens denke ich immer an eines meiner Lieblingsbücher an „Momo“ von Michael Ende. Ich mag dieses Buch und den Film seit Kindheit wirklich sehr und mich faszinierte die kleine Momo, die die besondere Gabe des Zuhörens besitzt , vieles hinterfragt, eine hohe Empathie zeigt und den Dingen auf den Grund gehen möchte, bereits als Kind sehr. Ich mochte ihre Art und irgendwie erkannte ich mich wohl selbst in ihr, da sie meiner Ansicht nach ein hochsensibles Mädchen sehr gut darstellt.
Momo zeigt, wie man zuhört, sich für andere Zeit nimmt und wie Menschen sich verändern können, wenn man ihnen nur wirklich einmal richtig zuhört.
Ein schöner Artikel zum Thema Zuhören und „Momo“ ist unter folgendem Link zu sehen. Hier findet man auch den Textausschnitt des Buches „Momo“ zum Thema Zuhören und wie sie diese Gabe anwendet.

https://meinesichtderwelt.wordpress.com/2016/10/07/spruch-zum-wochenende-zuhoeren-2/

Ganzheitliches Denken und Reflektiertheit

Ganzheitliches Denken und Reflektiertheit gehört zu einer weiteren sehr wertvollen Stärke hochsensibler Menschen. Sie hinterfragen Dinge und können über ein Thema in ganz verschiedenen Richtungen sachlich und reflektiert argumentieren. Dies ist gerade beruflich oft sehr von Vorteil und wird oft sehr geschätzt in bestimmten Arbeitsbereichen.

Gerade aus diesem Grund zählen auch viele Dichter und Denker zu den Hochsensiblen, da die Motivation und das Interesse zu philosophischen Diskussionen hier oft stark ausgeprägt sind . Die Gespräche mit anderen Hochsensiblen empfinde ich persönlich immer wieder als sehr bereichernd und äusserst interessant.

Empathie 

Eine besonders häufig genannte Stärke von Hochsensiblen ist ihre ausgeprägte Empathie, die individuell aber unterschiedlich stark sein kann.
Hochsensible Menschen besitzen eine besonders feine Wahrnehmung im zwischenmenschlichen Bereich. Daher bemerken sie schnell, wenn es dem Gegenüber nicht gut geht, auch wenn die betreffende Person dies vielleicht noch nicht einmal selbst spürt, wie es ihr gerade geht. Sie spüren intuitiv meist sehr genau, was in einer bestimmten zwischenmenschlichen Situation vor sich geht und nehmen die Stimmungen in einem Raum intensiv wahr, was oft auch anstrengend und belastend sein kann gerade bei negativen Gefühlen.

Unser persönliches und oft auch berufliches Umfeld sowie die Gesellschaft braucht unbedingt empathische Menschen, da Einfühlungsvermögen eine ganz wichtige und oft seltene Fähigkeit darstellt.

Diese hohe Empathie kann hochsensiblen Menschen allerdings auch oft schwächen, vor allem wenn sie sich nicht genügend abgrenzen können gerade bei den Sorgen und Nöten anderer Menschen.                                                                                    Wichtig ist es daher, sich genügend abzugrenzen, zu lernen die eigenen Gefühlen von fremden Gefühlen zu unterscheiden und zu erkennen, inwieweit man empathisch sein kann und möchte, um die eigene Kraft behalten zu können.
Auch nonverbale Äußerungen oder Gesten, die von anderen gar nicht wahrgenommen werden, bemerken Hochsensible sehr schnell und verarbeiten auch diese. Gefühle anderer Menschen können sehr leicht nachempfunden werden aufgrund der oft hohen Empathie

Hochsensiblen passiert es sehr häufig, dass andere Menschen ihnen ihre Sorgen anvertrauen, auch wenn sie normalerweise mit kaum jemandem darüber sprechen würden. Ich persönlich erlebe dies auch immer wieder in den unterschiedlichsten Situationen. Menschen spüren die Empathie sicherlich und haben dann auch oft das Bedürfnis sich mitzuteilen, worüber sie sich in einigen Fällen oft selbst wundern, da sie es von sich nicht kennen.

Gerechtigkeitssinn und ehtisches Bewusstsein

Bei Hochsensiblen ist der Gerechtigkeitssinn sehr stark ausgeprägt und sie handeln gar nicht gerne gegen ihr persönliches Gewissen. Es ist ihnen sehr wichtig, dass es gerecht in zwischenmenschlichen Situationen zugeht und sie setzen sich oft für die Rechte von Mitmenschen ein, die Hilfe benötigen.
Ihnen ist es wichtig, dasss niemand benachteiligt wird. Daher setzen sich Hochsensible sehr häufig für schwächere Menschen ein, um diese zu unterstützen, wenn ihnen unrecht getan wird.
Sie spüren einen starken Wunsch nach moralisch korrektem Verhalten und Unmenschlichkeit ertragen sie ganz schwer und können es nicht nachvollziehen.

Ich sehe es als ganz wichtig und wertvoll an, dass Hochsensible in ihrem Umfeld, sich für Gerechtigkeit und ethisches Verhalten einsetzen. Dies ist für unsere Gesellschaft sehr wichtig gerade in der heutigen Zeit.

Diese Stärken, die ich hier dargestellt habe sind nur einige charakterische Fähigkeiten von Hochsensiblen. Es gibt noch mehr davon, aber die genannten finde ich persönlich sehr wichtig, um sich bewusst zu machen, welche wertvollen Eigenschaften hochsensible Menschen haben. Wichtig ist es diese Gaben wertzuschätzen und nicht als etwas Selbstverständliches zu sehen. Wenn man sich auf diese Fähgikeiten konzentriert, kann dies das Selbstwertgefühl im Laufe der Zeit sehr stärken und auch andere Menschen bereichern .

 

 

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Zur Ruhe im Alltag finden

Hochsensiblen Menschen fällt es im Alltag häufig nicht besonders leicht wirklich innerlich zur Ruhe zu kommen, da vieles, was sie aktuell erlebt haben, lange und intensiv bei ihnen nachwirkt und aufwühlt wie Gespräche, Bilder, Gedanken und Gefühle . Regelmäßige Entspannung ist daher notwendig, um innerlich wieder zur Ruhe zu kommen und alle Reize und Informationen verarbeiten zu können.
Manchmal hilft es schon, einige Minuten die Augen zu schließen, um einer zu hohen Reizüberflutung rechtzeitig vorzubeugen.

Immer wieder zur Ruhe zu kommen, ist natürlich für alle Menschen sehr wichtig in unserer oft sehr lauten und hektischen Welt, aber gerade Hochsensible merken noch viel schneller und intensiver, wenn ihnen diese Zeiten und Möglichkeiten der Ruhe fehlen, um sich zu erholen und zu regenerieren. Sie können wieder in ihre eigene Mitte zurück finden, wenn sie sich regelmäßig entspannen können in Ruhe.

Vielen Hochsensiblen hilft es regelmäßig zu meditieren, um ruhiger zu werden und mit den alltäglichen Herausforderungen leichter umgehen zu können . Es  gibt ganz unterschiedliche Arten der Meditation . Ich persönlich bevorzuge die Stille – Meditation und speziell die Vipassana Meditation, zu der ich später noch etwas schreiben werde. Ein fester Platz in der Wohnung, an dem man sich wohl und behütet fühlt, ist förderlich für eine Meditation, da dies eine gewisse Kontinuität gibt . Wenn man bereits etwas geübter hinsichtlich Meditieren ist, ist es auch leichter möglich an ganz unterschiedlichen Plätzen und Orten zu meditieren . Für mich persönlich ist es auch sehr angenehm, in der Natur eine Meditation zu machen, beispielsweise angelehnt an einem Baum, der zusätzlich Kraft gibt oder am Strand, der nur leider zu weit weg ist von hier, um spontan hinzufahren. Meditieren bereichert mein Leben sehr. Abgesehen davon, dass ich dadurch oft innere Ruhe finde, empfinde ich dadurch auch mehr Demut und Dankbarkeit dem Leben gegenüber . Regelmäßig Meditation in den Alltag einzubauen ist sehr wirkungsvoll. Oft fällt diese Regelmäßigkeit gerade anfangs schwer, aber mit der Zeit wird es einfacher. So habe ich es erlebt.

Mediteren trainiert die Achtsamkeit insgesamt und schärft und klärt das Bewusstsein und die Sinne. Menschen, die regelmäßig Meditation ausüben berichten darüber sehr häufig und sie lernen dadurch bewusster zu leben und mehr darauf zu achten, was ihnen gut tut und was ihnen nicht gut tut im Leben.  Zu den weiteren wissenschaftlich erwiesenen Vorteilen von Meditation zählen, dass es das Stresslevel senkt,  die Aufmerksamkeitsspanne verlängert, Menschen fokussierter und kreativer macht und die Fähigkeit zu Mitgefühl und Selbstliebe schult .

Wenn Menschen bereits lange schon regelmäßig meditieren, ereichen sie manchmal dabei eine völlige Gedankenstille, die sehr glücklich machen kann, da es ein sehr schöner Zustand ist. Anfangs ist es jedoch oft so, dass sehr viele Gedanken, Gefühle und Bilder während der Meditation auftreten. Hiermit wird uns bewusst, was innerlich bei uns gerade los ist und wir werden uns dem bewusst, was in uns zur Zeit vorgeht. Lösungen und klare Gedanken können dadurch entstehen. Wichtig ist alles was innerlich auftritt nicht zu bewerten. Alles darf kommen und wird auch wieder gehen wie die Wolken am Himmel  – jeder Gedanke, jedes Gefühl darf da sein. Wichtig ist hierbei nicht zu streng und nicht ungeduldig mit sich zu sein und zu akzepieren, was zur Zeit für einen selbst möglich ist. Meditieren bedeutet nicht an nichts zu denken, sondern die Gedanken vorbeiziehen zu lassen ohne ihnen eine besondere Beachtung zu schenken und sie loslassen zu können, nichts festhalten zu wollen und sich gegen nichts zu wehren, was innerlich auftritt. Dann kann es wieder ruhiger in einem selbst werden. Wenn Menschen jedoch stark traumatisiert und gerade psychisch nicht sehr stabil sind, ist die Meditation in Stille eher abzuraten . Es gibt dann andere Arten der Meditation, beispielsweise geführte Meditation ohne viele Stillephasen, die in diesen Fällen geeigneter sind oder auch andere Formen der Entspannung, die nicht in der Stille praktiziert werden.

Vor einigen Jahren als ich mit Meditation begonnen habe, merkte ich, dass für mich persönlich die Meditation in Stille, die Vipassana Meditation am besten ist. Hier geht es darum, sich in kompletter Stille nur auf das Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Am Atem orientiert man sich sozusagen und kehrt immer wieder bewusst zum Atem zurück, wenn zu viele Gedanken und Gefühle hochkommen. Oft stellt sich dann nach einigen Minuten eine tiefe innere Ruhe ein – dies habe ich so bei mir selbst in der Meditation erlebt.

Seit einiger Zeit gibt es bei uns in der Stadt Meditationsabende speziell für hochsensible Menschen. Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass es dieses Angebot hier gibt. Häufig kann Meditation in der Gruppe noch mehr stärken gerade unter Menschen, die genauso ticken wie man selbst.

In einem früheren Meditationskurs wurde immer wieder betont, dass es egal ist, wie lange wir meditieren. Wenn wir gerade nur ein paar wenige Minuten dies tun, kann auch dies hilfreich sein und seine Wirkung haben. Vor einiger Zeit habe ich ein sehr schönes liebevoll gemachtes kleines Video namens „one moment meditation“ ( mit deutscher Übersetzung )  gefunden. Es zeigt, dass auch ein paar Minuten Meditation sehr gut sind und ruhiger machen können :