Was Hochsensible stärkt

Es gibt einige gute Methoden, wie sich gerade hochsensible Menschen seelisch sowie körperlich stärken, schützen und stabilisieren können. Im Folgenden will ich nur ein paar ausgewählte Möglichkeiten nennen, die ich selbst als wichtig und stärkend ansehe.

Meditation und Zeiten der Entspannung

Hochsensiblen Menschen fällt es oft schwer wirklich zur Ruhe zu kommen und abzuschalten, da vieles, was sie am Tag erlebt haben, sehr lange und intensiv innerlich bei ihnen nachwirkt und oft aufwühlt wie beispielsweise Gespräche, Bilder, Gedanken und Gefühle. Insbesondere Streitsituationen belasten hochsensible Menschen stark. Regelmäßige Entspannung ist daher sehr wichtig und notwendig, um innerlich nach einem ereignisreichen Tag wieder zur Ruhe zu kommen und alles verarbeiten zu können. Oft hilft es schon ein wenig, einige Minuten die Augen zu schließen, soweit möglich im Liegen, um einer zu hohen Reizüberflutung und Überforderung rechtzeitig vorzubeugen.

Zeiten der Stille sind notwendig und wirkungsvoll, damit Hochsensible sich erholen und regenerieren können. Zum Beispiel ist es stärkend einen angenehmen ruhigen Ort in der Natur regelmäßig zu besuchen und Handy, Fernsehen und Internet immer mal wieder abzuschalten, um innerlich wirklich zur Ruhe kommen zu können.

Mir persönlich und vielen anderen Hochsensiblen, die ich kenne, hilft es regelmäßig zu meditieren, mich auf meinen Atem hierbei zu konzentrieren und Gedanken und Gefühle kommen und wieder gehen zu lassen. Meditieren unterstützt meiner Erfahrung nach viele Hochsensible dabei, wieder in ihrer Mitte anzukommen und mit anstrengenden belastenden Situationen besser und gelassener umgehen zu können.

Genügend Schlaf ist für hochsensible Menschen sehr wichtig, wobei gerade die Hochsensiblen überdurchschnittlich häufig Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten haben. Manchen hilft gerade vor dem Einschlafen eine regelmäßige Meditation oder eine andere als angenehm empfundene Entspannungstechnik wie zum Beispiel Autogenes Training, um zur inneren Ruhe zu finden.

Achtsamkeit

Für Hochsensible ist es meiner Erfahrung und Ansicht nach von Bedeutung ihre Achtsamkeit zu stärken, um mehr in der eigenen Mitte und im gegenwärtigen Moment anzukommen. Wenn ein Mensch den momentanen Augenblick, das Hier und Jetzt wirklich wahrnimmt, ist er in der Lage die schönen Aspekte des Lebens viel intensiver zu entdecken und zu spüren. Wenn Sinneseindrücke achtsam wahrgenommen werden, kann sich eine Verbindung mit der jeweiligen Umwelt und mit der eigenen Person entwickeln. Sich selbst achtsam wahrzunehmen ist notwendig, um mehr bei sich selbst anzukommen und um sich selbst besser kennenzulernen. Durch Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist im Laufe der Zeit mehr Bewusstheit für das eigene Denken, Fühlen und Leben möglich. Mithilfe bestimmter Übungen zur Achtsamkeit kann die Wahrnehmung der Umwelt und der eigenen Person trainiert und verbessert werden. Mir selbst haben beispielsweise Bücher und Hörbücher des Autors Jon Kabat Zinn, der sich intensiv mit den Themen Meditation und Achtsamkeit wissenschaftlich beschäftigt hat, sehr dabei geholfen.

Natur

Einen meist sehr stärkenden, beruhigenden und heilsamen Einfluss hat die Natur auf Hochsensible. Regelmäßig Zeit in der Natur zu verbringen, führt bei sehr vielen Personen zu mehr innerer Ruhe und kann dazu beitragen, wieder mehr ins eigene seelische Gleichgewicht zu finden. Beispielsweise im Wald, an einem See oder am Meer Zeit zu verbringen empfinden Hochsensible häufig als wohltuend und dort fernab von Lärm und Hektik tanken sie innerlich besonders gut auf oft . Die Gedanken und Gefühle können dort zur Ruhe kommen. Es ist eine gute Möglichkeit sich von den ganzen alltäglichen Herausforderungen der Umwelt zu erholen. Manchmal hilft schon ein zehnminütiger Spaziergang in der Natur, um wieder mehr bei sich selbst ankommen zu können.

Kunst / Musik / Fotografie

Eine positive bereichernde Eigenschaft der Hochsensibilität besteht darin, dass auch die angenehmen Aspekte des Lebens intensiv und oft sehr emotional wahrgenommen und geschätzt werden können. Hierzu zählen insbesondere auch die Kunst und die Musik. Hochsensible Menschen können dabei eine sehr große Freude erleben, unabhängig davon, ob sie Kunst oder Musik selbst praktizieren oder eine Kunstausstellung oder Musikstück erleben. Im Gegensatz dazu würden Normalsensible dies nur selten in dieser Intensität und inneren Freude empfinden können.

Psychische Kräfte können durch kreative Dinge wie zum Beispiel Kunst oder Musik gestärkt, geweckt und stabilisiert werden. Menschen können ihre inneren Wahrnehmungen oft leichter durch Bilder, Malen, Tanzen, Singen oder Schreiben ausdrücken. Sie können sich auf diese Weise bewusst machen und darstellen, was in ihnen konkret vorgeht. Hochsensible Menschen sind sehr häufig künstlerisch veranlagt in unterschiedlicher Hinsicht und empfinden den kreativen Ausdruck als stärkend und heilsam. Manche fotografieren gerne und zeigen hierbei auch ein gutes Gespür für schöne Motivaufnahmen, Das Fotografieren an sich wird wie auch andere kreative Ausdrucksformen häufig als meditativ erlebt und oft als Methode zur Erhöhung der eigenen Achtsamkeit empfunden.

Gelegentlicher Rückzug stärkt

Gelegentlicher Rückzug und Abgrenzung sind für Hochsensible notwendig, um wieder bei sich selbst ankommen zu können. Von der emotionalen Stimmung in ihrer Umgebung und Situationen in ihrem Umfeld fühlen sie sich oft stark beeinflusst und oftmals überreizt, wenn sie nicht die Möglichkeit haben sich rechtzeitig zurückzuziehen. Manchmal erleben sie in für sie sehr emotionalen Situationen mit anderen auch starke körperliche Symptome wie Herzklopfen, Kribbeln oder Kälte. Insbesondere Streit, Disharmonie oder Vorwürfe aber auch positive Erfahrungen wie Freundschaft und Liebe werden als sehr intensiv wahrgenommen.

Wenn Hochsensible bei anderen Menschen starke Gefühle wahrnehmen, kann es vorkommen, dass fremde Gefühle als die eigenen empfunden werden. Dies geschieht dann, wenn nicht genügend Abgrenzung möglich ist und die Fähigkeit sich abzugrenzen noch nicht genügend vorhanden ist. Hierbei ist es wichtig sich bewusst zu machen, ob ein konkretes Gefühl zu einem selbst oder zu einer anderen Person gehört. Wenn hochsensible Menschen das erkennen und differenzieren können, ist dies für sie emotional entlastend und befreiend.

Um diese Abgrenzung zu erlernen, ist es notwendig, das Bewusstsein für sich selbst sowie das eigene Körperbewusstsein zu stärken, um sich im Laufe der Zeit immer besser abgrenzen zu können. Dann haben Hochsensible nicht mehr das Gefühl von fremden Gefühlen aufgesaugt zu werden. In solchen Situationen ist beispielsweise die Konzentration auf den eigenen Atem hilfreich und zu spüren, ob man im Kontakt mit sich selbst und dem eigenen Körper ist. Selbstfürsorge und Selbstschutz spielen hierbei eine große Rolle. Auch imaginäre Vorstellungen zum Beispiel eines Schutzmantels oder einer Aura , die einen von anderen Menschen imaginär trennt und Distanz schaffen kann, können manchen Hochsensiblen helfen sich in schwierigen Situationen zu schützen. Der Schutzmantel kann bei Abgrenzung imaginär geschlossen und bei gewünschter Nähe wieder geöffnet werden.

Austausch mit anderen Hochsensiblen

Mit Menschen zusammen zu sein, die man schätzt, von denen man sich verstanden fühlt und bei denen man so sein kann, wie man wirklich ist, kann gerade Hochsensiblen sehr viel Kraft und Sicherheit geben. Es ist für die menschliche Psyche sehr wichtig die Möglichkeit zu haben, sich über Gedanken, Gefühle, Sorgen oder Ideen mit anderen auszutauschen und sich nicht damit alleine und unverstanden zu fühlen. Auch gemeinsame angenehme Unternehmungen mit anderen können positiv bereichernd und stärkend wirken.

Manchmal ist es für Hochsensible nicht ganz leicht, Menschen zu finden, von denen sie sich geschätzt und verstanden fühlen in ihrer Art, da sie häufig von ihrem sozialen Umfeld wenig verstanden werden. Normalsensible können die Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen von Hochsensiblen oft nicht wirklich verstehen. Dies geschieht keineswegs aus böser Absicht, sondern weil Normalsensible einfach anders ticken als Hochsensible.

Gerade der Kontakt mit anderen Hochsensiblen kann dazu beitragen, das Gefühl zu bekommen, dass es andere Menschen gibt, die einen wirklich verstehen können. Solchen Gleichgesinnten muss man das intensive Fühlen, Denken und Wahrnehmen nicht erklären oder es rechtfertigen, da sie es von sich selbst auch so gut kennen. Dies zu erleben kann sehr erleichternd und schön sein.

Mittlerweile gibt es in sehr vielen Städten bereits regelmäßige Treffen für Hochsensible. Gleichgesinnte treffen sich, tauschen sich aus, unternehmen etwas gemeinsam und verbringen Zeit miteinander. Dies kann sehr wohltuend, bereichernd und stärkend sein. Auf der Homepage des Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V. befindet sich beispielsweise eine ausführliche Liste mit regional geordneten Kontakten hinsichtlich Treffen, Stammtischen, Coaching, Therapeuten und Ärzten. Die Homepage findet man unter folgendem Link : www.hochsensibel.org

Auch in sozialen Netzwerken gibt es Möglichkeiten sich mit anderen Hochsensiblen online auszutauschen und sich kennenzulernen. Dies kann sehr hilfreich sein. Beispielsweise findet man in dem sozialen Netzwerk Facebook einige Gruppen zu dem Thema Hochsensibilität. Auch hinsichtlich regionaler Treffen gibt es dort Hochsensibilitätsgruppen zu bestimmten Bundesländern oder Städten, in denen Hochsensible Gleichgesinnte in ihrer Nähe kennenlernen können, beispielsweise auch die bundesweite Gruppe Hochsensibilität Stammtische und Co. Der Link hierzu lautet: https://www.facebook.com/groups/hs.veranstaltungen/

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